Eviva Espana! Der 29. Juni 2008 wird in die Geschichte des spanischen Fußballs eingehen. Spanien tanzte den "Tiqui-Taca", und 44 Millionen feierten den ersten Titel seit 1964.
Die Mannschaft von Teamchef Luis Aragones krönte sich am Sonntagabend mit einem 1:0 im Finale gegen Deutschland erstmals nach 44 Jahren wieder zum Europameister. Für die Iberer unsterblich machte sich an diesem Abend Fernando Torres mit seinem Goldtor in der 33. Minute.
Für immer in Erinnerung
"An den Zweiten erinnert sich niemand", hatte Aragones noch vor dem Finale seiner "Furia Roja" eingeimpft, und so spielte sie dann auch, der Titel eines Vizeeuropameisters, die Verlängerung der Titelflaute war keine Option für die Iberer.
Einfach gut
Während Deutschland nur für kurze Phasen zwischendurch die Wucht zeigte, die das DFB-Team bis ins Endspiel gebracht hatte, demonstrierte Spanien wieder alle gewohnten Tugenden.
Casillas ein sicherer Rückhalt, die Abwehr immer aufmerksam, extrem ballsicher und staubtrocken, das Mittelfeld spielfreudig, mit Drang nach vorne, und im Sturm technisch starke, antrittsschnelle Spieler, die von der gegnerischen Abwehr nie aus den Augen gelassen werden dürfen.
Der Ball lief im spanischen Team - "Tiqui-Taca" -, die Truppe von Joachim Löw konnte diesem meisterlichen Rhythmus nichts entgegensetzen.
Ein Stürmer soll's richten
Iker Casillas und der doch fitte Michael Ballack führten ihre Teams aufs Feld. Deutschland begann mit Klose als einzige echte Spitze, dahinter bildeten Ballack, Podolski und Schweinsteiger das dynamische, offensive Mittelfeld.
Spanien musste verletzungsbedingt auf Torjäger David Villa verzichten, Torres allein sollte für Tore sorgen, dafür spielte Cesc Fabregas von Beginn an.
Guter Auftakt für DFB-Team
Beinahe hätte das Spiel für die Iberer auch gleich mit einem Gegentor begonnen. Klose schnappte sich einen verunglückten Ramos-Rückpass, konnte den Ball im Strafraum aber nicht kontrollieren (3.).
Das DFB-Team schien einen guten Tag wie beim 3:2-Viertelfinal-Sieg über Portugal erwischt zu haben und drückte Spanien in den nächsten Minuten immer mehr in die Defensive.
Metzelder prüft Lehmann
Die Deutschen waren aggressiver und spritziger, waren immer schneller am Ball. Was die Spanier nicht schafften, machte das DFB-Team jedoch gleich selbst. Metzelder prüfte mit einer gefährlichen Rückgabe Goalie Jens Lehmann, der jedoch den halbhohen Ball zur Ecke abwehrte (14.).
Torres trifft - die Stange
Diese Aktion war offenbar der Startschuss für die "Furia Roja". In der 22. Minute blieb den spanischen Fans der Torjubel im Hals stecken, als Torres nach Ramos-Flanke höher sprang als Mertesacker, den Ball jedoch nur an die Stange setzte. Den Nachschuss verzog Capdevila nur um einen Meter.
Kurz darauf reklamierte Ballack Handselfer, doch sein Drehschuss vom Elfer traf den hochspringenden Ramos nur an der Seite.
Lahm lahm - und Torres trifft ins Tor
Die Abspielfehler im deutschen Mittelfeld häuften sich und eröffneten den Spaniern immer wieder Möglichkeiten, die jedoch nicht in Tore umgesetzt wurden.
Bis zur 33. Minute, als ausgerechnet Philipp Lahm, der eine starke EM spielte, einen Zweikampf mit Torres völlig verschlief und so am 1:0 für die Spanier hauptbeteiligt war.
"El Nino" brauste mit einem Lochpass von Xavi Hernandez davon, der Bayern-Verteidiger attackierte nicht konsequent genug, glaubte den Ball schon beim herauseilenden Lehmann, doch der Liverpool-Stürmer schwindelte sich an Lahm vorbei, kam noch an den Ball und hob den "Europass" über den Stuttgart-Tormann hinweg von rechts ins lange Eck.
Viele Emotionen
Schock bei den deutschen Fans, Schock beim DFB-Team, Kapitän Ballack schimpfte mit seinen Spielern, auf der Pressetribüne brüllten sich die spanischen Reporter heiser, die Anhänger der Iberer jubelten gemeinsam mit dem spanischen Königspaar, das auf der Ehrentribüne aufgesprungen war.
Vor der Pause gab es dann nur noch in der 43. Minute Aufregung, als Ballack mit Puyol nach einem Foul in Streit geriet und Torhüter Casillas schlichten wollte. Die Konsequenz aus dem Tohuwabohu: Spielleiter Roberto Rosetti (ITA) zeigte beiden Kapitänen Gelb - sehr zum Ärger von Casillas.
Lahm muss draußen bleiben
Lahm, der sich eine Risswunde im linken Fuß zugezogen hatte, die genäht wurde, musste zur Halbzeit in der Kabine bleiben, für ihn kam Bayern-Teamkollege Marcell Jansen.
Lieber draußen geblieben wäre zu diesem Zeitpunkt auch Klose nach einem Tritt in seinen Unterleib. Doch nach einer kurzen Verschnaufpause ging es für den Bayern-Stürmer weiter.
Spanier lassen Ball und Gegner laufen
Weiter ging es auch mit den spanischen Torchancen. In der 54. Minute fand ein Ramos-Fersler vom Fünfer aber nicht den Weg ins Tor.
Deutsche Chancen gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, das DFB-Mittelfeld Podolski - Schweinsteiger - Ballack war verschwunden. Löw setzte daher auf mehr Offensive, für Hitzlsperger wurde Kuranyi aufs Feld geschickt, und plötzlich ging ein Ruck durch das Team.
Deutschland wacht auf
Mannschaft und Fans wachten auf, der DFB-Express nahm wieder Fahrt auf. Die Emotionen gingen ebenfalls wieder hoch, als Podolski bei einem Wortgefecht mit Silva zu Recht einen leichten Kopfstoß des Spaniers reklamierte. Referee Rosetti griff aber nicht in die Tasche.
Aragones nahm daraufhin Silva sicherheitshalber gleich vom Platz. Dann war der deutsche Sturm und Drang auch schon wieder vorbei, und das Knie von Frings rettete bei einem Iniesta-Schuss vor dem 0:2.
Der Mann des Spieles geht
In der 78. Minute war dann das Finale für Torschütze Torres, den "Man of the Match", ebenso vorbei wie für Klose. Güiza und Gomez ersetzten die beiden Standardstürmer.
Doch Verteidiger Senna hatte dann das zweite Tor vor Augen, rutschte jedoch im Fünfer an einer Kopfballvorlage von Güiza vorbei.
Alles aus
Zum Schluss drückte Deutschland noch, doch Spanien spielte den ersten EM-Titel nach 44 Jahren souverän nach Madrid.
Was am 12. Dezember 2002 im Hotel Interncontinental von Genf mit der Vergabe der EM 2008 an Österreich und die Schweiz begonnen hatte, endete am 29. Juni 2008 um 22.36 Uhr mit dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Rosetti und mit der Übergabe des Henri-Delaunay-Pokals an den neuen Europameister Spanien.