Spanien und Deutschland spielen am Sonntag im Wiener Ernst-Happel-Stadion um den Henri-Delaunay-Pokal für den Europameister 2008.
Mit einer souveränen Vorstellung von der Verteidigung bis zum Sturm schlug die "Seleccion" am Donnerstagabend bei starkem Regen in Wien im zweiten EM-Semifinale den Geheimfavoriten Russland verdient 3:0 (0:0).
Die Tore durch Xavi Hernandez (50.), Guiza (73.) und Silva (82.) fielen alle in der zweiten Hälfte, als die "Sbornaja" zu harmlos agierte und nicht an die Glanzvorstellung aus dem Viertelfinale gegen die Niederlande anschließen konnte.
Damit hat Spanien am Sonntag die Möglichkeit, den ersten Titel bei einem Großereignis seit der Heim-EM 1964 zu holen. Zuletzt hatten die Iberer 1984 den Einzug in ein EM-Finale geschafft.
Dennoch wurde sein Team von den eigenen Fans erkannt und von den Trommelschlägen von Manolo und von "Viva Espana"-Rufen der Fans begleitet.
Die Rot-Gelben im Happel-Stadion konnten aber zahlenmäßig und von der Lautstärke her nicht mit den inbrünstigen "Rossija"-Anfeuerungen der russischen Anhänger mithalten. Die weiß-blau-roten Fahnen waren klar in der Überzahl.
Spanien nimmt Tempo auf
Die ersten Minuten gehörten aber Spanien. Einen Torres-Drehschuss aus kurzer Distanz konnte Akinfejew mit dem Fuß abwehren (6.).
Über dem Happel-Stadion zuckten die Blitze, den Donner dazu machte aber vorerst nur Manolos Trommel. Richtige "Kracher" - zwingende Chancen - gab es auf dem Spielfeld nicht.
Ein Freistoß von Pawljutschenko in der 16. Minute ging mitten aufs Tor von Casillas, strich jedoch knapp einen halben Meter über die Latte.
Bei Russland fielen vor allem wieder Juri Schirkow und Konstantin Syrjanow auf, die auf der linken Seite überall zu finden waren.
Aber das Einzige, wovon es genug gab, waren nicht gefährliche Torszenen, sondern Regen, der immer stärker wurde.
Beide Teams wollten im Spiel nach vorne nichts überstürzen. Spanien hielt im Mittelfeld den Ball, Russland suchte mit schnellen Gegenstößen über die Seiten den Erfolg. Beide Teams liefen sich aber auch in der gegnerischen Verteidigung fest.
Pawljutschenko prüft Casillas
Die bis dahin beste Chance vergab Pawljutschenko nur knapp (31.). Schirkow erkämpfte sich den Ball vor dem spanischen Strafraum, und der gut auf das rechte Kreuzeck angetragene Schuss von Pawljutschenko ging nur um wenige Zentimeter neben das Tor. Casillas berührte bei seiner Flugeinlage noch mit den Fingerspitzen leicht den Ball, Schiedsrichter De Bleeckere (BEL) entschied aber auf Abstoß.
Wo ist Arschawin?
Bei der "Sbornaja" blieb hingegen Arschawin weit unter seinen Möglichkeiten, er wirkte müde und lustlos. Bei den Spaniern sorgte die agile Achse Ramos-Iniesta-Torres für den meisten Schwung. Zum 1:0 reichte es jedoch auch nicht.
Mit dem Regen ließ auch die Intensität des Spieles kurz vor der Pause nach. Im Duell der beiden Teams, die bei diesen Titelkämpfen bisher am öftesten auf das Tor des Gegners geschossen hatten, stand es zur Pause 10:5 für Spanien, aber sonst 0:0.
Applaus von Ihrer Majestät
Nach der Pause ertönten vorerst wieder die "Immer wieder Österreich"-Gesänge besonders laut, das Wiener Publikum befürchtete wohl die nächste torarme Partie im Happel-Stadion und wollte sich in Stimmung bringen.
Aragones hat den richtigen Riecher
In der Folge verlegten sich die Iberer wieder aufs Kontern. Russland brachte mit Biljaletdinow und Sytschew neue Kräfte, aber die "Sbornaja" hatte keine Ideen mehr.
Auch Spanien versuchte mit einem Doppeltausch sein Glück, und Aragones, genannt der "Weise von Hortaleza", traf die richtige Entscheidung. Für den bemühten aber glücklosen Torres kam Daniel Guiza.
Nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung schlug der Mallorca-Stürmer auch schon zu: ein Schupfer von Fabregas in die Mitte des Strafraums auf Guiza, der sich im richtigen Moment von seinen Bewachern löste und den Ball gefühlvoll an Akinfejew vorbei ins Tor lupfte.
3:0 die logische Konsequenz
Russland war tief getroffen, lief Gegner und Ball chancenlos hinterher. Das 3:0 war die logische Konsequenz. Ein Konter über links, Fabregas krönte seine starke Leistung mit der zweiten Torvorlage. Diesmal netzte der mitgelaufene Silva in der Mitte souverän ein.
Wie schon beim 4:1 in der Gruppenphase war Russland wieder in eine empfindliche Pleite gegen die "Furia Roja" gelaufen und die "Viva Espana"-Rufe hallten den Siegern bis ins Finale nach.